Die Mir (russisch für Frieden oder Welt) war eine von der Sowjetunion erbaute, bemannte Raumstation, die von 1986 bis zu ihrem kontrollierten Absturz 2001 die Erde umkreiste. Nachdem die Mir in den ersten Jahren nur von der Sowjetunion und den mit ihr verbundenen Staaten genutzt wurde, betrieb sie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos nach dem politischen Umbruch im Ostblock weiter und öffnete sie auch für westliche Staaten und ihre Raumfahrtagenturen.
Zu ihrer Zeit war die Mir das größte künstliche Objekt im Erdorbit und gilt mit dem Sputnik-Satelliten 1957 und Juri Gagarins Erstflug 1961 als größter Erfolg der sowjetischen Raumfahrt. Ein zu Übungszwecken gebauter Nachbau im Europa-Park in Rust bei Freiburg kann besichtigt und begangen werden.
Aufbau und Konstruktion
Die Mir war die erste auf einen dauerhaften und wissenschaftlichen Betrieb ausgelegte Raumstation. Die Sowjetunion hatte in den 1970er und frühen 1980er Jahren mehrere Stationen des Typs Saljut betrieben, die militärischen und wissenschaftlichen Zielen dienten und bis zu vier Jahre lang genutzt wurden. Wie diese war die Mir modular aufgebaut und wurde aus mehreren nacheinander gestarteten Teilen im Laufe von zehn Jahren im All zusammengebaut. Dem Hauptmodul wurden sechs weitere Module hinzugefügt. Alle Module wurden vom kasachischen Baikonur aus mit Proton-Raketen gestartet, bis auf das Andockmodul für das Space Shuttle. Es kam mit der US-amerikanischen Fähre „Atlantis” vom Kennedy Space Center aus ins All.
Langzeitmissionen mit bemannten Raumstationen galten für die Sowjetunion als Mittel, sich, nach dem verlorenen Wettlauf zum Mond, internationales Ansehen zu verschaffen. Auch in dieser Hinsicht ging man mit der Mir für sowjetische Verhältnisse neue Wege. Unmittelbar nach dem Start des Basismoduls wurde dieser öffentlich bekannt gegeben. Über Details der neuen Station gab man, auch gegenüber der westlichen Presse, bereitwillig Auskunft. Der Start der ersten Besatzung wurde sogar im Vorfeld angekündigt das erste Mal bei einem Flug ohne internationale Beteiligung. Die USA hatten mit den Skylab-Missionen nur ein einziges Projekt für eine Raumstation in ihrem Programm.
Jahrelang war die Mir der einzige permanente Vorposten der Menschheit im Weltraum. Neben vielen wissenschaftlichen Experimenten wurden hier vor allem Erfahrungen über den Langzeitaufenthalt im Weltraum gesammelt. Einzelne Kosmonauten hielten sich mehr als ein Jahr in der Station auf.
Der modulare Aufbau der Mir wurde bei der später gebauten Internationalen Raumstation (ISS) übernommen. Ihr Modul Swesda ist eine modifizierte Version des Basisblocks der Mir.
1986 - Die erste Besatzung
Die erste Besatzung der Expedition Sojus T-15 mit den Kosmonauten Leonid Kisim und Wladimir Solowjow startete am 13. März 1986 und betrat zwei Tage später die Station, um diese in Betrieb zu nehmen. Zu den Aufgaben gehörte es unter Anderem, die von den Frachtschiffen Progress 25 und 26 angelieferte Ausrüstung zu entladen und zu installieren. Als Besonderheit wurde ein 50-tägiger Ausflug zur Raumstation Saljut 7 unternommen, um diese zu warten und einen Teil der Ausrüstung für die Mir zu übernehmen. Dies war der bisher einzigartige Flug einer Besatzung zwischen zwei Raumstationen. Nach der Rückkehr zur Erde am 16. Juli 1986 blieb die Station Mir für mehr als ein halbes Jahr unbesetzt.
1987 bis 1989
Mit der Mission Sojus TM-2 und den Kosmonauten Juri Romanenko und Alexander Lawejkin, die am 5. Februar 1987 Baikonur verließen, begann die erste Periode von über zwei Jahren, in der die Station mit wechselnden Mannschaften ununterbrochenen besetzt war. Sie endete im April 1989 mit der Mission Sojus TM-7. In diesen Jahren besuchten mit dem Syrer Muhammed Achmed Faris, dem Afghanen Abdul Ahad Mohmand und dem Franzosen Jean-Loup Chrétien die ersten nicht-sowjetischen Raumfahrer die Station. Die Station war in dieser Zeit das Ziel von sechs Missionen während der das Modul Kwant angeschlossen und in Betrieb genommen wurde.
1989 bis 1991
Nach einer Unterbrechung von über vier Monaten bedingt durch technische Probleme mit den Sojus-Raumschiffen begann mit Sojus TM-8 im September 1989 die zweite Phase der Nutzung, in deren Verlauf die Station über beinahe zehn Jahre hinweg bis zum August 1999 permanent besetzt blieb und ausgebaut wurde. Neun Flüge des US-amerikanischen Space Shuttles und 22 Flüge mit sowjetischen Sojus-Raumschiffen dockten während dieser Zeit an. In diesen Zeitraum fiel der politische Umbruch in der Sowjetunion, der auch zu einer Zäsur beim Betrieb der Mir führte.
Die begonnene Zusammenarbeit mit anderen, auch westlichen, Staaten wurde fortgeführt. Im Dezember 1990 flog der japanische Journalist Toyohiro Akiyama zu der Station. Ihm folgte 1991 der österreichische Astronaut Franz Viehböck.
Die beiden Kosmonauten der Mission Sojus TM-13, Alexander Wolkow und Sergei Krikaljow, betraten als Sowjetbürger die Station und kehrten als russische Bürger zur Erde zurück. In ihre Aufenthaltszeit fiel die Wahl von Boris Jelzin zum Präsidenten der Russischen Föderation, der Putsch in Moskau und das Ende der UdSSR. Durch die Begleitumstände mussten sie ihren Aufenthalt ungeplant um ein halbes Jahr verlängern. Krikaljow kehrte erst nach 311 Tagen am 25. März 1992 auf die Erde zurück.
1992 bis 1999 Die Mir unter russischer Leitung
Nach der politischen Wende in den Staaten der Sowjetunion besuchten zunehmend Raumfahrer westlicher Staaten die Station, deren Betrieb durch Russland weiter geführt wurde. Mit der Ankunft der Mission EO-11 begann das neue Zeitalter auch an Bord der nun russischen Station.
1992 kam mit Klaus-Dietrich Flade der erste Deutsche. Ihm folgte 1997 Reinhold Ewald sowie der Franzose Michel Tognini. 1994 besuchte der deutsche ESA-Astronaut Ulf Merbold die Mir, der bereits 1983 mit dem Space Shuttle im All war.
Parallel zum weiteren Ausbau der Station startete im Jahr 1995 der erste amerikanische Astronaut von Baikonur in einem Sojus-Raumschiff zur Mir. Im Juni des gleichen Jahres begann die erste von elf Shuttle-Mir-Mission. Im Rahmen der Mission STS-71 dockte die Raumfähre Atlantis an die russische Raumstation an. Im September besuchte der Deutsche Thomas Reiter die Mir und blieb 179 Tage an Bord. 1996 wurde der Aufbau der Station mit dem Modul Priroda beendet. Der längste Aufenthalt eines amerikanischen Astronauten im All wurde auf der Mir gefeiert: John Blaha verbrachte im gleichen Jahr 118 Tage auf der Station.
Die letzten Jahre
Am 20. November 1998 startete mit Sarja das erste Modul der Internationalen Raumstation. Die NASA-Führung versuchte die russische Regierung dazu zu bewegen, die Mir möglichst bald aufzugeben. Vorerst entschied sich Russland dagegen, verzichtete aber darauf, die am 28. August 1999 gelandete Crew von Sojus TM-29 durch eine neue zu ersetzen. 1999 gründete sich in den Niederlanden die MirCorp, ein Unternehmen, das versuchte, das Überleben der Mir über private Mittel zu sichern. Zu den Überlegungen gehörten auch Nutzungen für den Weltraumtourismus.
Mit Sojus TM-30 startete am 4. April 2000 die letzte Besatzung zur Mir, nachdem sie sieben Monate unbenutzt geblieben war. Die durch MirCorp finanzierte Mission der Kosmonauten Sergej Saljotin und Alexander Kaleri dauerte 72 Tage und war der 39. Besuch eines bemannten Raumschiffes. Sie führten Wartungsarbeiten durch um den weiteren Verbleib in der Umlaufbahn sicherzustellen. Zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr im Juni 2000 hoffte die russische Raumfahrt noch, die Mir durch westliche Gelder für zwei weitere Jahre betreiben zu können. Die Hoffnungen zerschlugen sich angesichts der Unterhaltskosten und des Aufwands für den gleichzeitigen Unterhalt zweier Raumstationen. Am 23. Oktober 2000 kam das offizielle Aus. Der russische Vorschlag, Teile der Mir zum Aufbau der ISS zu verwenden, wurde von US-amerikanischer Seite trotz der damit verbundenen Einsparungen verworfen.
In den frühen Morgenstunden des 23. März 2001 wurde die Mir mit drei Bremsschüben des letzten Progress-Raumfrachters zum kontrollierten Wiedereintritt in die Atmosphäre gebracht. Die nicht verglühten Trümmer der Station stürzten um 6:57 Uhr im Zielgebiet in den Pazifischen Ozean. Von den Fidschi-Inseln aus war das Feuerwerk am Himmel zu sehen.
In ihrer 15-jährigen Geschichte umrundete die ursprünglich nur für eine Lebensdauer von sieben Jahren ausgelegte Station die Erde 86.325 Mal in einer Höhe von 390 Kilometern über der Erdoberfläche.
Die Liste bemannter Missionen zur Raumstation Mir enthält eine Beschreibung aller bemannten Raumflüge, die Raumfahrer mit einem der Sojus-Raumschiffe oder einem der Space Shuttles zur Station brachte.

Satelliten-Strichspur, 2 Minuten auf Kodak PJC1600 mit 70mm/f4,5 belichtet: Mir (16609 = 1986-017A): im Bild von 20:45:53 bis 20:46:27 UT, Höhe 395 km, 0,6 bis 0,0 mag. Datum: 1997-08-08, 20:44-20:46 UT. Urheber: Speifensender.
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